Verneinungen in Texten kann zum Chaos führen

Verneinungen (Negotionen) benutzen wir tagtäglich, sei das in der gesprochenen wie in der geschriebenen Sprache. Nicht selten werden zu viele Verneinungen gebraucht. – Genau wie in diesem Satz gerade. Dies führt zu Missverständnissen oder die Aussage wird sogar komplett unverständlich.

Der Satz von eben ‘Nicht selten werden zuviele Verneinungen gebraucht.’ enthält eine völlig unnötige Verneinung: nicht selten. Was heisst denn das genau? Das Gehirn der Lesenden muss sich aktiv anstrengen, um die korrekte Aussage des Satzes zu verstehen, dies tun aber ganz sicher nur die Wenigsten.

Positive Formulierung wählen

Viel einfacher und auf Anhieb verständlich ist hingegen folgende positive Formulierung: Oft werden zuviele Verneinungen gebraucht. Wählen Sie also unbedingt überall, wo es nur im Geringsten möglich ist, die positive Formulierung und vermeiden Sie die Verneinung.

Doppelte Verneinungen

In der Mathematik ergibt es Plus, wenn man Minus mal Minus rechnet. Dasselbe gilt bei den Verneinungen: Doppelte Verneinungen sagen inhaltlich das Positive aus.

ABER

So ein Satz ist zwar inhaltlich völlig korrekt. Die Lesenden müssen ihn jedoch mehrmals lesen, um die Aussage richtig zu verstehen – und wer tut das schon, ausser ich als Texterin. Die Folge: die Aussage wird falsch oder nur sehr schwer verstanden. Die Lesenden fühlen sich mit dem Text unwohl und erhalten so einen schlechten Eindruck vom Schreibenden – sprich von Ihnen bzw. Ihrem Unternehmen.

Passen Sie deshalb vor allem auf bei Kombinationen mit un- und einer Verneinung, oder bei einem Verb, das bereits eine Verneinung aussagt. Auch die Endung -los bedeutet bereits eine Verneinung.

Beispiele

Statt: Die Kassiererin war nicht unfreundlich.
Besser: Die Kassiererin war freundlich.

Statt: Ich will die Diskussion nicht endlos laufen lassen.
Besser: Ich werde die Diskussion nach einer Weile beenden.

Statt: Vermeiden Sie es, in einem Text keine Abschnitte zu setzen.
Besser: Setzen Sie genügend Abschnitte in einem Text.

Verneinung durch Verben


Wie oben erwähnt, gibt es einige Verben, die durch ihre Bedeutung bereits eine Verneinung ausdrücken.

abraten I warnen I ausbleiben I bewahren (im Sinn von beschützen) I sich enthalten I verhindern I sich versagen I verweigern I absprechen (im Sinne von verleugnen/bezweifeln) I bestreiten I bezweifeln I leugnen I verneinen I zweifeln

Passen Sie bei diesen auf: Ein nachfolgender Nebensatz muss positiv formuliert werden.

Beispiele

Die Polizei warnt davor, hier zu schnell zu fahren.
falsch wäre: …hier nicht zu schnell zu fahren.

Du hast ihn davor bewahrt, einen grossen Fehler zu machen.
falsch wäre: … keinen Fehler zu machen.

Ich zweifle daran, dass sie heute noch kommt.
falsch wäre: …dass sie heute nicht kommt.

Verneinung mit einer zeitlichen Abfolge

Mit den Wörtern bevor, bis und ehe wird aufgezeigt, dass zuerst die Handlung im Nebensatz passieren muss, bevor die Handlung im Hauptsatz stattfinden kann.

Beispiele

Bevor ich zu einem neuen Kunden gehe, schaue ich mir seine Webseite an.
bedeutet: Ich schaue zuerst die Webseite an, und dann erst gehe ich zum neuen Kunden.

Das an sich verwirrt bereits. Wenn dazu noch eine Verneinung benutzt wird, wenn möglich sogar doppelt, ist das Chaos (fast) perfekt. Passen Sie also auf, dass Sie wirklich die Aussage machen, die Sie wollen. Es kann sein, dass ein Satz vor lauter Verneinungen das Gegenteil bedeutet.

Beispiele

Statt: Bevor ich nicht die Webseite angeschaut habe, gehe ich nicht zu einem neuen Kunden.
Besser: Ich schaue zuerst seine Webseite an, bevor ich zu einem neuen Kunden gehe.

Statt: Bis sie nicht mit der Chefin gesprochen hat, trifft sie keine Entscheidung.
Besser: Sie trifft die Entscheidung erst, nachdem sie mit der Chefin gesprochen hat.

Statt: Ehe du mir das nicht erklärt hast, lasse ich dich nicht gehen.
Besser: Ich lasse dich erst gehen, wenn du mir das erklärt hast.

Textertipp

Das Gehirn überspringt oft Verneinungen und die Lesenden erinnern sich unbewusst an die falsche Aussage. Aus diesem Grund sollten Sie vor allem in geschrieben Texten Verneinungen nur sehr selten anwenden. Stattdessen suchen Sie lieber die positive Formulierung. In der Regel muss damit der ganze Satz umgestellt werden.
In der gesamten Kommunikation hilft die positive Formulierung, um Missverständnisse zu umgehen – ganz besonders auch beim Sprechen mit Kindern und Teenagern.

Quellen:

PONS Band 2, Die grosse Grammatik DEUTSCH; Auflage A1 2012; PONS GmbH, Stuttgart, S. 517
PONS Band 3, Perfektes Deutsch; Auflage A1 2012; PONS GmbH, Stuttgart, S. 345